HSV vernimmt positive Zeichen im Poker um Baros Tschechischer Stürmer "ein Kandidat im engeren Kreis" - Sportdirektor Beiersdorfer hofft auch auf "Domino-Effekt" in Italien
Doch nicht nur die Spieler müssen mit allem rechnen. Gleiches gilt auch für den Vorstand des HSV. Flexibilität und Offenheit ist auch das Credo bei der Suche nach einem neuen Stürmer. "Ja, Milan Baros ist ein Kandidat im engeren Kreis", gibt Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer offen zu. Der 24jährige Tscheche, der beim englischen Premier-League-Club Aston Villa unter Vertrag steht, ist derzeit das Objekt der Begierde. Der Verein sieht seine Chance, ohne sich dabei aber all zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen.
"Wenn man nicht irgendwelche Zeichen bekommen hätte, die uns an eine Chance in diesem Transfer glauben lassen, würden wir uns nicht bemühen", sagt Beiersdorfer ein wenig geheimnisvoll. Mit dem Spieler selbst haben die Verantwortlichen noch nicht gesprochen. Auf jeden Fall sind die Ansprüche des HSV an den neuen Mann in der Angriffsspitze hoch. Dabei haben Stürmer, die den Leistungsnachweis von internationaler Klasse schon erbracht haben, einen hohen Preis. Zlatan Ibrahimovic von Juventus Turin zum Beispiel verdient rund acht Millionen Euro netto im Jahr. Rund fünf Millionen Euro - ebenfalls netto - sind es beim Holländer Ruud van Nistelroy von Manchester United. Diese Summen sind für den HSV nicht nur wirtschaftlich utopisch, sondern können in einem Mannschaftsgefüge auch viel kaputtmachen. "Wir wollen unsere Gehaltsstruktur nicht durcheinanderbringen und keine finanziellen Ausreißer in unserem Kader", sagt Beiersdorfer.
Dementsprechend dürfte das Interesse des HSV insbesondere auf Stürmer zielen, die im Moment ihr mögliches Leistungsniveau nicht erreichen und deshalb an Marktwert verlieren. Baros konnte bei der WM nur einmal eingesetzt werden, da er sich in der Vorbereitung auf das Turnier eine Sehnenverletzung am linken Knöchel zugezogen hatte. Den Torschützenkönig der Europameisterschaft 2004 in Portugal aber dürfte Aston Villa, wenn überhaupt, nicht unter zehn Millionen Euro Ablöse abgegeben.
Doch der HSV führt den Kampf um eine neue Spitze an verschiedenen Fronten. "Es wäre natürlich fatal, wenn wir uns auf einen Spieler einschießen würden.", sagt Beiersdorfer. Drei bis vier Akteure stehen derzeit in der engeren Auswahl. Nicht zuletzt warten die Hamburger auch die Urteile im italienischen Fußballskandal ab, die am Montag erwartet werden. "Natürlich haben wir Verbindungen nach Italien. Wir werden sehen, was sich da noch bewegt", sagt Beiersdorfer und setzt auf einen "Dominoeffekt". Dieser könnte entstehen, wenn Stars der zum Abstieg verurteilten Vereine bei anderen starken Vereinen unterkommen und hier Spieler verdrängen, die für den HSV interessant werden könnten.
Trainer Thomas Doll ist unterdessen mit den ersten Trainingstagen zufrieden. "Wir haben Tempo in den Aktionen. Der Ablauf stimmt", sagt der er. Derzeit bleiben die Profis nach dem Morgentraining oft in den Kabinen. "Wir essen gemeinsam, die Spieler ruhen sich danach aus", sagt Doll.
Noch nicht wunschgemäß kommt Nigel de Jong in Tritt. Der Holländer hatte sich Ende April einer Meniskusoperation unterzogen. Im Moment absolviert er sein Rehabilitationstraining und wird frühestens Mitte in einer Woche ins Mannschaftstraining einsteigen.
Quelle: Kicker

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