2006-08-24

Der neue HSV verteidiger spielt am Sonntag
schon gegen Herta BSC -

Interesse an Argentiniens Kapitän Sorin

An seinem ersten Arbeitstag in Hamburg hatte Joris Mathijsen noch Orientierungsprobleme. Nach dem ersten Training am Vormittag zeigten ihm aber viele Fans den richtigen Weg zurück in die Kabine, nachdem der holländische Nationalverteidiger geduldig Autogramme geschrieben hatte. Überhaupt war es ein hektischer erster Tag für Mathijsen. "Ich bin um acht Uhr in Hamburg gelandet. Danach zum Arzt, Training, wieder Arzt, Pressekonferenz. Ich habe das Hotel noch gar nicht gesehen", sagte der 26-Jährige am späten Nachmittag. Bis 2010 ist Mathijsen an den HSV gebunden. Für ihn selbst ist es ein Traumvertrag, nicht nur wegen der Jahresgage von knapp zwei Millionen Euro: "Ich war beim AZ Alkmaar. Wenn ein Verein wie der HSV anfragt, gibt es überhaupt keinen Zweifel. Als ich vom Interesse hörte, wollte ich sofort hierher."

Am Montag hat HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer erstmals persönlich Kontakt aufgenommen zu Mathijsen. Zur gleichen Zeit wurde auch Rafael van der Vaart, Mathijsens Landsmann, eingebunden. Der HSV-Kapitän hatte dem Vorstand nur Gutes zu berichten über seinen Kollegen in der Nationalmannschaft: "Er ist ein sehr guter Typ. Seine Stärke ist die Spieleröffnung. Aber auch mit dem Kopf ist er gut, obwohl er nur 1,81 Meter groß ist." Default Banner

Beim letztjährigen Tabellenzweiten der holländischen Ehrendivision, AZ Alkmaar, musste der HSV allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten. Der Verein will sich dauerhaft in der nationalen Spitze etablieren und möglichst auch international auf sich aufmerksam machen. Der Verkauf Mathijsens passt da nicht ins Konzept. Bei einer Ablösesumme von sechs Millionen Euro erging es dem niederländischen Traditionsverein aber wie dem HSV mit dem FC Chelsea in der Vorwoche. Er gab dem Drängen des Spielers nach.

Mit dem Kauf von Joris Mathijsen hat der HSV seine größte Baustelle geschlossen und einen Nachfolger für Khalid Boulahrouz gefunden. "Ich bin sehr, sehr zufrieden", befand Trainer Thomas Doll. "Wir haben einen Klassespieler durch den nächsten ersetzt. Er ist die Nummer eins in der Abwehr der holländischen Nationalelf."

Sein Debüt für den HSV soll Joris Mathijsen bereits übermorgen gegen Hertha BSC geben. Mit der Rückennummer fünf wird er an der Seite von Bastian Reinhardt in der Innenverteidigung auflaufen. Vincent Kompany muss wegen seiner erneut aufgebrochenen Adduktorenverletzung dagegen passen.

Mit seinen neuen Kollegen hat Mathijsen das Osasuna-Erlebnis in gewisser Weise gemein -zwar nicht direkt im Stadion, aber vor dem Fernseher. "Ich habe das 1:1 in der Champions-League-Qualifikation gesehen", berichtet er. "Beim Gucken bin ich fünf Jahre gealtert. Als Nigel de Jong das Tor geschossen hat, bin ich aufgesprungen vor Freude - und bei den großen Chancen der Spanier am Ende fast verrückt geworden." Aber alles ist gut gegangen, für den HSV und für Joris Mathijsen, der nach eigener Aussage auch bei einem Scheitern in Pamplona nach Hamburg gekommen wäre. Seine Eltern sowie Freundin Cristel haben ihn zunächst nach Hamburg begleitet. Alle bleiben bis Montag, anschließend verabschiedet sich die Neuerwerbung erst einmal wieder zu Länderspielen um die Europameisterschaftsqualifikation.

Auf Dienstreise war Sportchef Dietmar Beiersdorfer schon gestern. In der kommenden Woche möchte er den neuen Linksverteidiger vorstellen. Auf der Liste der Kandidaten steht weiterhin Juan Pablo Sorin, der Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft. Sportlich wäre dies eine Top-Lösung, aber die wirtschaftliche Umsetzung ist kompliziert. Zwar hat sich der 30 Jahre alte Sorin beim FC Villarreal mit Trainer Manuel Pellegrini überworfen und ist ablösefrei zu haben. Aber Sorin verdient in Spanien etwa vier Millionen Euro netto. Bei einer Verpflichtung des Argentiniers wäre der ebenfalls ins Auge gefasste Kauf eines weiteren Stürmers kaum noch zu realisieren.

Quelle: Welt.de