Überflieger ReinhardtBastian Reinhardt wirkt ernst. Kein Lächeln, kein Wort kommt über seine Lippen, sein Blick geht in die Ferne, als der HSV-Abwehrspieler das Swisshotel in Moskau betritt. Die Champions League erfordert die vollste Konzentration. Auch von einem, der in den vergangenen Wochen der "Überflieger" des HSV war. Reinhardt, bislang immer nur der dritte Mann der Hamburger Innenverteidigung, ist in der Form seines Lebens. Er könnte es ruhiger angehen lassen, er könnte frohlocken, den "Max" machen, denn er wird gefeiert, gelobt - und aufgestellt. An ihm kommt keiner vorbei. Auch Trainer Thomas Doll nicht.
Als Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz den HSV im Sommer verließen, da schlug Reinhardts Stunde. Er, der immer nur das fünfte Rad am HSV-Wagen gewesen ist, nutzte die Gunst der Stunde, spielte sich mit engagierten Leistungen in die Stammelf. Und nicht nur das. Plötzlich war der 30-Jährige nicht nur in aller Munde, sondern auch in aller Ohren. Der Mann hat etwas zu sagen. Und das tut er nun regelmäßig nach jedem Spiel, fast nach jedem Training. Bastian Reinhardt beschönigt dabei nichts. Er weiß um die kleine Krise des HSV, dass kaum etwas so läuft, wie von den Verantwortlichen erhofft. Er nennt die Dinge beim Namen. Ehrlich, konstruktiv.
Einst spielte er "nebenan", im Stadtpark, beim VfL 93, damals aber ignorierte ihn der HSV. Hannover und Bielefeld riefen und erhielten die Zusagen. Und nun, auf dem Höhepunkt seiner Profilaufbahn, macht er doch noch Karriere in Hamburg, als ältester Spieler (neben Sorin). Und ist als solcher absolut geschätzt von den Kollegen. Reinhardt ist anerkannt, was ihn freut: "Ich habe festgestellt, dass innerhalb der Mannschaft Wert auf meine Meinung gelegt wird."
Das war früher nicht immer der Fall. Und deshalb wollte er im Sommer auch den HSV verlassen. Davon aber ist jetzt keine Rede mehr. Und Doll ist froh, dass er nun einen absolut verlässlichen Abwehrspieler hat. Reinhardt ist "Mister Zuverlässig". Er räumt kräftig ab, schont weder sich noch den Gegenspieler - ist aber immer fair. In Moskau kann er zudem sprachlich glänzen. Acht Jahre lernte er in der Schule Russisch: "Das Lesen klappt noch ganz gut."
Quelle: Abendblatt

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