"Der Fußball-Gott hat zurzeit kein HSV-Hemd an."Der Anspruch und die Wirklichkeit klaffen derzeit beim Hamburger SV weit auseinander. Nach der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau am 2. Spieltag der Champions League konnte Thomas Doll nur Durchhalteparolen liefern, eine echte Erklärung für die abermals blutleere Vorstellung seiner Elf hatte der Coach der Hanseaten nicht parat.
"Wir haben klasse Jungs und klasse Charaktere", sagte Doll, wirkte dabei aber reichlich deprimiert in der Lobby des Hotel "Krasnye Holmy" in der russischen Hauptstadt.
Dabei hatte der Auftritt in der "Königsklasse" nach den unterdurchschnittlichen Darbietungen in der Bundesliga (Platz 14, noch kein Sieg in der laufenden Runde) als weiterer Befreiungsschlag dienen sollen.
Es ist wieder nur 'ne Niederlage", stöhnte Doll, der auch in schwierigen Stunden stets den Blick nach vorne gerichtet hatte. Doch nachdem auch im zwölften Pflichtspiel in Folge kein Dreier heraussprang, scheint Dolls grenzenloser Optimismus erste Kratzer zu bekommen. "Ich hab' mich immer noch nicht gefangen. Der Fußball-Gott hat zurzeit kein HSV-Hemd an."
In der europäischen Königsklasse stehen die Hamburger in der Gruppe G nun auf dem letzten Platz — vor der Niederlage in Moskau verlor der HSV auch gegen die "Gunners" vom FC Arsenal mit 1:2. Der Einzug ins Achtelfinale ist in weite Ferne gerückt, zudem müssen die Hanseaten aufpassen, dass sie nicht als Letzter nach der Gruppenphase international komplett von der Bühne verschwinden. "Es ist an der Zeit, mal wieder über positive Dinge zu sprechen", fordert Doll.
Allein seine Mannschaft liefert dafür aktuell nicht den geringsten Ansatzpunkt. Zweimal schoss die Doll-Elf im gesamten Spiel auf das Tor, echte Chancen waren dies aber auch nicht. Neuzugang Juan Pablo Sorin, der angesichts der Verletztenliste als Stabilisator helfen soll, stellt nüchtern fest, dass "da überhaupt keine Klarheit in unserem Spiel, kein System ist".
Auch Dietmar Beiersdorfer ist mehr oder weniger ratlos. "Souveränität und Selbstbewusstsein erreicht man durch Erfolgserlebnisse. Fehlender Siegeswille entsteht durch mangelndes Selbstvertrauen", so die Zustandsbeschreibung des Sportchefs. Im kicker-Interview antwortete Beiersdorfer auf die Frage, ob er nach den Abgängen von Boulahrouz, van Buyten, Barbarez und Beinlich den Erfolg verkauft habe, dass er "alles wieder so machen würde". Freilich weiß auch Beiersdorfer, dass "die neue Mannschaft etwas Zeit braucht, ehe die Mechanismen funktionieren".
Geradezu als Sinnbild für die derzeitige Tristesse an der Alster muss Stürmer Benjamin Lauth herhalten. Der zuletzt aussortierte Angreifer erhielt in Moskau wieder mal eine Chance zur Bewährung, doch schon nach sechs Minuten musste der eingewechselte Blondschopf wegen eines vermeintlichen Ellenbogenchecks vom Platz. ?Die Rote Karte ist ein Witz", zürnte Lauth.
Quelle: Kicker

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