Hoffmann erhöht den Druck - auch auf DollDie Hoffnung, heißt es, stirbt zuletzt. Also hoffen sie weiter in Hamburg. Auf die Wende mit Thomas Doll. Aber was gibt eigentlich noch Anlass zur Hoffnung seit Samstag, seit einer Vorstellung, die deutlich machte, dass nicht mal eine zufällige Führung gegen einen ebenfalls verunsicherten Gegner mehr zum Sieg reicht? Vielleicht, dass der nächste Gegner Mainz in einer ähnlich ausweglosen Situation steckt. Und sonst?
Am Samstag hatte rein gar nichts mehr Hoffnung gemacht, hatte auch Klubboss Bernd Hoffmann angeschlagen wie nie zuvor gewirkt, mit brüchiger Stimme von einer "massiven Enttäuschung" gesprochen. Am gestrigen Sonntag hatte er seine Stimme wieder. Und legte die vermutlich letzte Patrone der Verantwortlichen in den Lauf, nachdem Ton- und Personalwechsel des Trainers bislang jede Wirkung verfehlt hatten. Der Boss erhöht den Druck. Und zwar auf alle. "Ich will schwer hoffen, dass alle begriffen haben, dass es eine hammerharte Zeit wird bis Weihnachten. Dessen muss sich jeder bewusst sein. Das schließt auch den Trainer mit ein."
Eine Brandrede vor der Mannschaft lehnt Hoffmann ab und nimmt die sportlichen Verantwortungsträger in die Pflicht: "Dafür haben wir Trainer und Sportchef. Sie müssen dem Team kommende Woche hammerhart vermitteln, wo der Hammer hängt. Aktuell stecken wir im Abstiegskampf. Das wird vom Schönreden nicht besser. Teile der Mannschaft hatten das gegen Gladbach nicht begriffen, das muss man feststellen. Anders ist das mangelnde Engagement bei einigen nicht zu erklären." Sätze, mit denen Hoffmann eine andere Position als Doll einnimmt. Der hatte zwar eingestanden, "dass es nur darum geht, erstmal unten rauszukommen, aber wir sollten jetzt auch nicht mit dem großen Zittern anfangen." Hoffmann widerspricht Doll auch in einem weiteren Punkt: "Es braucht keiner mehr erzählen, welche Qualität der Kader hat." Der Coach dagegen versichert:"Ich denke nicht, dass wir ein Qualitätsproblem haben."
Bilanz im Winter
Hoffmanns Klartext - ein erstes Abrücken von Doll und Beiersdorfer oder nur der letzte Versuch, vor Mainz über die Öffentlichkeit den Druck zu erhöhen? Tatsächlich sieht der Vorstand derzeit keine Alternative zu Doll und will im Winter Bilanz ziehen. Die Hamburger Überzeugung: Ein neuer Mann löst die bestehenden akuten Probleme nicht. Aber: Doll löst sie bislang auch nicht. Nicht mal durch die am Freitag erfolgte Ansage an das Team, er werde bleiben, "weil wenn ich einmal ja sage, dann steht das."
Die Spieler nehmen Dolls Bekenntnis erfreut zur Kenntnis, stärken ihm verbal den Rücken. Auf dem Platz indes lassen sie ihn im Stich. Seit Monaten. Nur ein Sieg aus 19 Pflichtspielen - Zahlen, die wenig Platz für Hoffnung lassen.
Quelle: Kicker.de

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