2006-11-27

HSV Der Kapitän lobt Doll und lässt seine Zukunft offen
Van der Vaart nach Spanien?

"Mein Traum ist es, einmal dort zu spielen. Das weiß der HSV auch."
Er brachte den HSV in Führung und verlor am Ende trotzdem. Wie lange wird Rafael Van der Vaart Hamburg noch die Treue halten.

Er ist einer der letzten Hoffnungsträger beim HSV. Gegen Bayern München brillierte Rafael van der Vaart in seiner neuen Rolle als "Quarterback" vor der Abwehr. Er eroberte viele Bälle und gab dem Offensivspiel Impulse. Dem 23-Jährigen gefällt die Position: "Ich habe das schon früher mal gespielt und fühle mich dort wohl. Man kann das Spiel verteilen, außerdem sitzt dir nicht permanent ein Gegenspieler im Hintern."

Allerdings plagten den HSV-Kapitän vor der Pause (wie schon bei Arsenal London) Adduktorenprobleme und er meldete Thomas Doll: "Ich habe Schmerzen." Gemeinsam entschied man, dass er weiterspielen solle, so lange es eben geht. Nach Wiederanpfiff lief dann bei van der Vaart nur noch wenig zusammen, und knapp zehn Minuten vor dem Abpfiff gab der Niederländer das Zeichen zur Auswechselung - was die meisten Zuschauer nicht bemerkt hatten und Doll auspfiffen, als er Fillinger brachte.

Van der Vaart verschwand sofort in der Kabine und bekam deshalb nicht mit, wie negativ die Stimmung kurz vor und nach dem Abpfiff war. "Ich habe aber Verständnis für die Enttäuschung der Fans", sagte er. "Wir stehen auf einem Abstiegsplatz." Seine klare Forderung: "In den letzten drei Spielen müssen wir neun Punkte holen." Die sich massiv ausbreitende Angst vor dem Abstieg wischte er weg: "Abstieg? Nein, das kann nicht sein."

Dass sich van der Vaart dennoch Sorgen um seine eigene Karriere macht, wurde in einem Interview deutlich, das er jetzt dem niederländischen Fußballfachblatt "Voetbal international" aus Gouda gab. Dort sprach HSV-Kapitän Rafael van der Vaart offen über die Krise des HSV, sein Verhältnis zum Trainer, zum Klub und zur Stadt sowie über seine fußballerischen Perspektiven - und diese liegen nicht unbedingt in der Hansestadt.

"In Hamburg", erzählte der 23-Jährige, sage man, "dass zuerst der Bürgermeister kommt und dann der Kapitän des HSV". Man sehe ihn als großen Spieler, der es für sie machen solle. Van der Vaart: "Außerdem sitzt da ein Trainer, für den ich durchs Feuer gehe."

Er machte keinen Hehl daraus, dass der HSV in einer sehr schweren Situation steckt: "Der Verein ist in der Krise. Ich habe früher bei Ajax Amsterdam auch schwierige Situationen durchgemacht. Der große Unterschied ist, dass die Fans in Deutschland weiter hinter dem Verein stehen und der Trainer nicht so unter Druck gerät. Ich glaube nicht, dass er entlassen wird. Dann hat der Verein ein Problem mit den Fans, vielleicht auch mit den Spielern. Doll ist ein fantastischer, irre fanatischer Trainer."

Das Problem sei, dass man nicht so einfach die Krise abschütteln könne: "Die Bundesliga ist nicht berechenbar, weil die Leistungsstärke der Mannschaften zu dicht beieinander liegt. Es gibt hier keinen Klub wie in den Niederlanden den RBC Roosendaal, wo man mal eben 5:0 gewinnen kann."

Auf die Frage, ob er im Interesse seiner Karriere nicht schnellstens vom HSV weg müsse, antwortete Rafael van der Vaart: "Es ist immer noch mein Traum, einmal für einen spanischen Klub zu spielen. Das ist kein Geheimnis, beim HSV wissen sie das auch. Es ist vielleicht auch nicht gut, unten in der Bundesliga zu spielen, aber ich werde den HSV nicht so einfach verlassen. Dafür mag ich diesen Klub einfach zu gerne, fühle ich mich zu sehr dem Trainer verbunden. Ich will die Saison so gut wie möglich zu Ende bringen, dann sehen wir weiter."

Seine familiären Bande nach Spanien (die Großeltern kommen aus Chiclana) sind bekannt - wie auch seine Vertragssituation: Der Mittelfeldspieler steht bis 2010 unter Vertrag, könnte die Hamburger aber nach der Saison 2008/09 für eine fixierte Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro verlassen.

Quelle: Abendblatt.de