Wir wollen Barbarez zurück!Im Sturm steckt der Wurm / Sergej ist bei Bayer nicht glücklich / Das Team vermisst seinen Leitwolf / Springen die Bosse über ihren Schatten?
Am schlimmsten sind Scheidungen immer für die Kinder, sagt man. Die Trennung, die sich im vergangenen Sommer beim HSV vollzogen hat, verbitterte eine ganze Mannschaft. "Papa" Barbarez (35) musste die Familie verlassen und war todtraurig - wie seine "Kids", die Mitspieler. David Jarolim spricht nun als erster offen aus, was im Team viele denken. Sie wollen ihn zurück. Jaro: "Seine Effektivität fehlt uns sehr. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber ich weiß nicht, ob das machbar wäre."
An ihm richteten sie sich auf, zu ihm blickten sie Hilfe suchend, wenn das Spiel nicht lief: "Sergej, tu was!" Jetzt suchen sie Barbarez (war letzte Saison an mehr als 40 Prozent der 53 HSV-Tore beteiligt) vergebens, er tröstete sich mit einer Geliebten: Bayer Leverkusen. Doch die Beziehung kriselt bereits - Zank, Streit, verletzte Gefühle. Der Bosnier macht den Eindruck, dass er sich zu seiner wahren Liebe zurücksehnt. Bei Bayer hat er Ärger mit den Fans - sie wissen schließlich nicht, dass man seine Launen mit dem Wissen ertragen muss, dass man sooooo viel zurückbekommt.
Gewiss, es wäre ein schwieriger Sprung über den eigenen Schatten, den die HSV-Verantwortlichen da wagen müssten. Aber auch die kategorische Ablehnung von Neuverpflichtungen im Winter wird langsam aufgeweicht. "Es ist jetzt viel zu früh, sich darüber Gedanken zu machen", sagt Dietmar Beiersdorfer. Die erste Kehrtwende wird vorbereitet, warum nicht gleich den zweiten Schritt zurück tun - und die Barbarez-Frage überdenken. Das halte er für ausgeschlossen, betonte der Sportchef unlängst - das Motto im Vorstand: Kreuze niemals deinen eigenen Weg.
Doch der Weg des HSV hat sich vor allem, was die Durchschlagskraft in der Offensive anbelangt, als außerordentlich steinig erwiesen. "Da müssen wir zulegen", räumt Beiersdorfer ein, "wir kommen über Ansätze nicht hinaus." Auch Doll beschönigt nichts. "Um den Strafraum herum passiert zu wenig. Da müssen wir sehr selbstkritisch sein." Ein gutes Stichwort - der Trainer und der Sportchef glaubten, auf Barbarez verzichten zu können. Eine Fehleinschätzung - die zu korrigieren Mut erfordert, aber nicht zwingend einen Gesichtsverlust bedeutet. An Klubboss Hoffmann würde der Plan nicht scheitern - eine finanzielle Einigung vorausgesetzt. Doll und Barbarez haben sich längst ausgesöhnt - Fragen kostet nichts! Und manchmal ist auch eine alte Liebe wie ein neues Leben.
David Jarolim grätscht Hitzlsperger ab, setzt Zeichen für die Mannschaft. Der Tscheche sagt: "Ich habe von Sergej viel gelernt." Er ist nicht der Einzige, der Barbarez vermisst
Quelle: Mopo

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